
Münchens Grundwasserstand ist so niedrig wie nie. Deshalb hat Oberbürgermeister Dominik Krause eine Taskforce einberufen, die Maßnahmen zum Wassersparen koordinieren soll. Diese werden im Bedarfsfall mit der Regierung von Oberbayern, den betroffenen Umland-Kommunen und Landkreisen abgestimmt. Einige Brunnen wurden abgeschaltet und alle Bürger:innen zum Wassersparen aufgerufen. Die liegt die Frage nahe, ist die Situation in Haar ähnlich und sollten auch wir Sparmaßnahmen ergreifen?
Woher kommt Haars Trinkwasser?
Im Jahr 2010/11 wurden drei neue Brunnen im Höhenkirchener Forst, nahe am Golfplatz Harthausen gebaut. Seitdem beziehen Putzbrunn und Haar ihr Wasser von dort (Stadtwerke Haar – Wasserherkunft). Die Wasserschutzzonen liegen südlich davon im Forst. Dort liegt auch der Grundwasser-Messpunkt „Siegertsbrunn 2“. Dieser Messpunkt hat vorgestern einen neuen Tiefstwert erreicht und der Pegel sinkt weiter (Datenquelle). Im Zuflussgebiet des Haarer Trinkwassers gab es noch nie so wenig Grundwasser wie in diesem Rekordsommer. Das heißt nicht, dass die Trinkwasserversorgung gefährdet wäre, oder die Wasserqualität leidet, aber uns erscheint es ein passender Zeitpunkt zu sein, über Wassersparsamkeit nachzudenken und Tipps zum Wassersparen zu geben.

Ein Teil Haars wird noch aus einer anderen Quelle versorgt. Das Isar-Amper-Klinikum hat eigene Brunnen, die im Wald hinter dem Klinikgelände liegen. Daher gibt es südlich davon, also im unterirdischen Zuflussgebiet Wasserschutzzonen, zu denen ein Teil von Unterhaar (Riesengebirgsstraße und andere) gehören. Daher müssen dort häufiger als anderswo Leitungen auf Dichtigkeit geprüft werden, was bei einigen Anwohner:innen zu Unmut geführt hat. Aber dies ist ein anderes Thema.
Der Grundwasserstand im Haarer Ortsgebiet wird in zwei Messstationen erfasst: Haar-Eglfing Q11 und Haar Lehrer 265B, dieser Messpunkt ist übrigens der älteste in ganz Bayern und hat eine Messreihe von über 110 Jahren. Die Datenquellen sind hinter dem Messpunkt verlinkt. Beide Messpunkte weisen derzeit niedrige aber nicht Niedrigst-Werte auf.
Geht Haar das Wasser aus?
Diese Frage können wir nicht selbst beantworten, denn ein niedriger Grundwasserstand ist zwar ein Hinweis, aber keine direkter Ursache für eine Wasserknappheit. Daher haben wir den Stadtwerken, die auch für die Wasserversorgung zuständig sind, folgende Fragen gestellt:
- Wie entwickelt sich der Grundwasserstand am Brunnen in Höhenkirchner Forst und was bedeutet dies für die Haarer Wasserversorgung?
- Ab welchem Pegelstand wird es erforderlich, Maßnahmen zur Einschränkung des Wasserverbrauchs festzusetzen, um die Versorgung der Stadt Haar und der Gemeinde Putzbrunn mit Trinkwasser sichern zu können?
- Welche mittelfristige Strategie verfolgen die Haarer Wasserwerke, um sich auf auch in Zukunft immer wieder auftretende Dürreperioden vorzubereiten?
Wir sind neugierig auf die Antworten und werden darüber berichten.
Was kann jede:r selbst tun?
Unabhängig von den aktuellen Grundwasserständen ist es unstrittig, dass der Klimawandel ungebremst weitergeht und heiße trockene Witterungsperioden noch häufiger und intensiver werden. Der Wasserverbrauch wird daher tendenziell zunehmen, die Wasserverfügbarkeit hingegen abnehmen. Daher empfehlen Umweltschützer und Wasserfachleute beispielsweise diese Maßnahmen, die man selbst leicht umsetzen kann:
- Gießen Sie Ihren Garten nicht mit teurem Leitungswasser, sondern fangen Sie Regenwasser in einer Tonne oder Zisterne
- Verlegen Sie ein Tropfbewässerungssystem (Micro Drip), wenn der Garten größer ist
- Schalten Sie Waschmaschinen und Geschirrspüler nur ein, wenn sie voll sind
- Duschen Sie: Ein Vollbad verbraucht mit 150 bis 200 Litern etwa dreimal so viel Wasser wie eine Dusche (50 bis 70 Liter)
Was kann und soll die Stadt tun?
Mit Wasser sparsam umzugehen ist Teil der Klimafolgenanpassung, die auch für Haar unumgänglich ist. Das haben wir schon in unserem Wahlprogramm thematisiert und unter anderem gefordert:
- Neue Bäume pflanzen, denn Bäume speichern das Wasser im Boden und spenden gleichzeitig Schatten.
- Haar zur „Schwammstadt“ machen: Das Konzept sieht vor, dass Regenwasser in Böden gehalten wird und nicht zum größten Teil ungenutzt im Kanal verschwindet. Dies wird durch Rigolen und Zisternen verwirklicht.
- Als Stadt selbst sparsam mit Wasser in Trinkqualität umgehen, beispielsweise:
- Reduzierung der Bewässerung der städtischen Grün- und Außenanlagen und Sportstätten.
- Reduzierung des Wasserverbrauchs der Schulschwimmbäder auf ein Minimum.
- Temporärer Verzicht auf das Waschen des städtischen Fuhrparks einschließlich der Feuerwehr.
- Stadt und Stadtwerke entwickeln Notfallpläne und -maßnahmen, die neben Hitze und Wetterereignissen auch Wasserknappheit umfasst.
- Langfristig sollten getrennte Trink- und Brauchwassersysteme eingerichtet werden. Bei städtischen Neubauten soll dies regelmäßig geprüft werden.