Am 28. Juli 2026 fand die letzte Haarer Stadtratssitzung vor der Sommerpause statt.
Straßenbauamt lehnt sicherere Radwege ab!
Der Bürgermeister berichtete unter anderem, dass das staatliche Bauamt Freising nun unseren Antrag zur Sanierung der Radwege entlang der B304 beantwortet hat. Zur Erinnerung: Im Juni hatte der Stadtrat auf unseren Antrag hin mit großer Mehrheit beschlossen, dass im Zuge der Erneuerung der Bundesstraße auch die Radwege neu geteert, die Radfurten rot markiert werden und Trixi-Spiegel an Gefahrstellen angebracht werden solle.
Die Antwort des Bauamts war ernüchternd und vom völligen Unwillen geprägt, sich für Verbesserungen im Haarer Radverkehr einzusetzen. Das Amt bezog sich auf den „Handlungsleitfaden Radverkehr“ des bayerischen Innenministeriums.
Dort steht unter 3.6.3: „Insbesondere an konfliktreichen oder stark befahrenen Kreuzungen und Einmündungen sowie Zufahrten soll die Radverkehrsführung durch Roteinfärbung von markierten Furten und durch Fahrradpiktogramme (ggf. mit Pfeilen) verdeutlicht werden.“ Aus unserer Sicht ist das Kriterium „stark befahren“ an der Bundesstraße B 304 zweifelsfrei überall erfüllt. Aber das Amt sah das anders.
Statt dass der Bürgermeister nun empört gewesen wäre, sah er sich in seinen eigenen Vorbehalten im Sinne von „ich hab’s euch ja gesagt“ bestätigt und will nicht weiter nachfragen, obwohl das Amt durchaus in Aussicht gestellt hat, dass wir mit einem mit Polizei und Ordnungsamt abgestimmten Antrag nochmal anfragen sollten. Wir schlagen daher konkret vor, wenigstens die Übergänge im Bereich der Jagdfeldschulen und die Kreuzung der Bundesstraßen Vocke/Wasserburger zu markieren. Wo, wenn nicht dort, gilt das Kriterium „stark befahren und konfliktreich“?
Vielleicht hilft es ja, noch einmal in das Mobilitätskonzept der Stadt Haar von 2020 zu schauen. Dort steht (Seite 25): „Die Auswertung des Unfallgeschehens zeigt, dass die Gefahrenpunkte für Radfahrer an stark befahrenden Straßen wie der Münchner Straße (B 304), Vockestraße (B 471), Leibstraße, Kirchenstraße, Bahnhofstraße und Jagdfeldring liegen. Die Mehrheit der Unfälle mit Fahrradbeteiligung sind sog. Abbiegeunfälle oder Einbiegen-/Kreuzen-Unfälle“
Ein weitere Punkt aus seinem Bericht waren die Antworten auf die Fragen der SPD-Fraktion zur Leibstraße. Leider berichtete der Bürgermeister so hastig und nuschelig, dass nur die Hälfte im Saal ankam.
Münchens Baupläne am Rappenweg
Sehr interessant waren der Vortrag und die Diskussion zu dem geplanten Neubaugebiet am Rappenweg auf Münchner Flur. Dort soll unter dem Namen „Gute Uta“ ein großes Wohn- und Gewerbegebiet mit ca. 370.000 qm Wohn- und Gewerbefläche entstehen. Die Gebäude sind mit bis zu 8 Stockwerken geplant, hinzu kommen einzelne „Hochpunkte“ bis zu 65 Metern. Der Abstand nach Gronsdorf misst 70-100 Meter. Die Vertreter der Architekten stellten für uns das KOnzept und die Rahmenplanung anhand von Karten und Zahlen vor. Der Haarer Stadtrat positionierte sich zu dem Projekt in der Nachbarstadt und kritisierte einige Punkte in der Planung. Insbesondere die Höhenentwicklung mit meist acht Stockwerken erschien vielen als städtebaulich problematisch und mit der lockeren Bebauung im angrenzenden Gronsdorf nicht vereinbar. Auch wenn wir auf Entscheidungen Münchens kaum Einfluss haben, wurde gerade für uns Grüne ein Zielkonflikt sehr deutlich: Soll möglichst viel neuer Wohnraum geschaffen werden, oder die Verdichtung zugunsten von Grünflächen und Verkehrsbegrenzung begrenzt werden? Wir befürworten, in enger Abstimmung mit den Grünen in trudeing, einen Mittelweg, der beide Aspekte berücksichtigt.
Die Stadt München hat sich ausführlich mit diesem Zielkonflikt beschäftigt und eine Hochhausstudie veröffentlicht, bei Bauleitplanungen seit 2023 vom Planungsreferat berücksichtigt werden muss: https://stadt.muenchen.de/infos/umgang-hochhaeuser-stadtgebiet.html
Zusätzlich gibt es ein Positionspapier der Münchner Grünen, für die, die sich in das Thema weiter einlesen wollen.
https://www.gruene-muenchen.de/wp-content/uploads/2024/10/A2_Positionspapier_Hochhaeuser_in_Muenchen.pdf
Positiv aus Haarer und Münchner Sicht ist, dass der Schnelle Radweg entlang der Bahn eingeplant ist und von beiden Kommunen uneingeschränkt befürwortet wird. Im Herbst soll es in Haar eine Informationsveranstaltung zu den Münchner Bauplänen geben, die natürlich für alle Gronsdorfer:innen von besonderem Interesse sind dürfte.
Das Bürgerhaus ist uns lieb aber leider auch teuer
Ein Großprojekt über das wir in dieser Sitzung zu beraten und entscheiden hatten, war die weitere Sanierung des Bürgerhauses. Nachdem wir das Gasthaus zur Post aufwendig und erfolgreich renoviert wurde, steht jetzt das Bürgerhaus selbst an. Vereinfacht beschrieben ist es von oben bis unten undicht, genauer gesagt, die Oberlichter, die Fassaden und die Außenstufen müssen erneuert werden. Zusätzlich steht eine Fußbodenerneuerung an, da der alte nicht nochmal abgeschliffen werden kann. Und schließlich zwingen uns feuerpolizeiliche Vorgaben zur Erneuerung vieler Leitungen. Hinzu kommt ein größerer Posten für Mediengeräte, die auch dringend ein Update benötigen. Nach einer Sondersitzung und einer mehrstündigen Begehung haben wir einige Punkte als verschiebbar eingeordnet (z.B. die Erneuerung der Fußbodenheizung im Untergeschoß). Der Großteil der Baumaßnahmen erschien uns aber zwingend und die Mehrheit befürworte eine Durchführung im Jahr 2028. Der Bürgersaal wird dann für ungefähr 6 Monate gesperrt sein. Ein Arbeitskreis aus allen Fraktionen wird die Bauarbeiten dauerhaft begleiten. Dazu gehört auch eine genaue Kontrolle der Kosten, die vorerst auf 7-8 Mio. € geschätzt wurden. Wie gut, dass die Stadt ca. 60 Mio. € Rücklagen hat, sodass wir diese Sanierung ohne Schuldenaufnahme durchführen können.
Kreislaufwirtschaft: Ein grünes Kernthema wird in Haar gestärkt
Ein Highlight des Abends war die Verabschiedung der „Zirkularitätsstrategie der Stadt Haar“. Wer hätte gedacht, dass eine so durch und durch grüne Agenda nahezu einstimmig beschlossen wird? Um die Reichweite des Beschlusses zu verdeutlichen, sollte man am besten direkt aus dem Papier zitieren:
„Mit der Zirkularitätsstrategie setzt die Stadt Haar den nächsten Schritt in Richtung einer ressourcenschonenden, klimafreundlichen und zukunftsfähigen Stadtentwicklung.“, „Energie stammt aus erneuerbaren Quellen“, „In lebendigen, grünen Quartieren entstehen Räume für Austausch und Engagement“.
Besonders die Ziele beim Thema Energie sind aus unserer Sicht wichtig und weitreichend: „Ziel der Stadt Haar ist es, den Energieverbrauch kontinuierlich zu reduzieren, erneuerbare Energien auszubauen und Energie möglichst dort zu erzeugen und zu nutzen, wo sie benötigt wird“, „Die Stadt Haar setzt die energetische Modernisierung ihrer Gebäude kontinuierlich fort. Der Sanierungsfahrplan für die kommunalen Liegenschaften wird dabei kontinuierlich abgearbeitet“. Das hört sich ganz anders an als die Vorbehalte gegen diese Maßnahme, die noch in der letzten Sitzung aus den Reihen der CSU geäußert wurden. Wir Grünen hingegen unterstützen den Kurs der Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft dagegen ohne Wenn und Aber.
Klimawandel: Dringend notwendige Konzepte zur Anpassung beschlossen
Danach wurde ein weiteres für Menschen und Umwelt dringendes Thema behandelt: Das im Landkreis erarbeitete Klimaanpassungskonzept (Link) wurde vorgestellt und beschlossen, dies als Grundlage für ein Haar-spezifisches Konzept und eigene Maßnahmen zu verwenden. Dies ist dringend notwendig, denn der Klimawandel ist auch in Haar Realität, Die Temperaturen steigen, Trockenheit und Starkregen treten vermehrt auf. Davon sind besonders die „vulnerablen Gruppen“ betroffen, also ältere und sehr junge Menschen und solche mit Vorerkrankungen und Einschränkungen. Das Konzeptpapier analysiert nicht nur die Folgen des Klimawandels, sondern schlägt auch konkrete Maßnahmen, wie beispielsweise vernetzte Grünstrukturen oder die klimaangepasste Gestaltung der öffentlichen Verkehrsinfrastruktur vor
Eine große Zisterne gegen Wasserknappheit
Passend zur Zirkularitätsstrategie und dem Klimaanpassungskonzept wurde das erste einschlägige Projekt auf den Weg gebracht. Am Bauhof soll eine Zisterne entstehen. Diese soll 50 Kubikmeter fassen und damit einen großen Beitrag für die Bewässerungsarbeiten durch den Bauhof leisten. Auf unseres Drängen hin wird auch an der neun Kita am Wieselweg eine Zisterne eingebaut werden.
Stadtwerke gehen mit Gewinnen ins nächste Jahr
Die Geschäftsberichte der diversen Beteiligungen der Stadt Haar müssen einmal im Jahr genehmigt werden. In der Juli-Sitzung ging es u.a. um die Stadtwerke und die Photovoltaik-Gesellschaft. Wie in den letzten Jahren erwirtschaften die Gesellschaften Gewinne, die wieder investiert werden, oder an die Anteilseigner ausgeschüttet werden.
Freiflächen-PV nimmt nächste Hürde
Die neue Freiflächen-PV-Anlage auf dem Gronsdorfer Feld hat eine weitere formale Hürde genommen. Der Vorhaben-bezogene Bebauungsplan wurde genehmigt. Nun kann mit dem Bau begonnen werden. Aus heutiger Sicht, werden die Bauarbeiten im Frühjahr 2027 starten und die Anlage noch im selben Jahr ans Netz gehen: Ein wesentlicher Schritt für ein klimaneutrales Haar im Jahr 2035!