Am 4. Februar veranstaltete die Haarer Volkshochschule die mit Spannung erwartete Podiumsdiskussion der Haarer Kandidaten um das Bürgermeisteramt. 500 Menschen füllten den Bürgersaal, weitere 400 hörten online zu.
In ihrem Eingangsstatement betonte Frau Lourdes Ros de Andres, die Leiterin der vhs, das aktive Eintreten der Volkshochschule für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, wie es in der Aschaffenburger Erklärung „Volkshochschulen – entschieden demokratisch“ formuliert ist. Die Erklärung lag auf allen Plätzen aus.
Der Abend begann mit einer Runde von Eingangsstatements, in der sich Dr. Ulrich Leiner für Bündnis 90/Die Grünen vorstellte. Er stellte die Frage, wie „Unser Haar der Zukunft“ aussehen sollte? Als Antwort darauf formulierte er den Anspruch, die Bezeichnung „Stadt“ nicht nur im Ortschild zu führen, sondern die Stadt jetzt auch professionell und langfristig weiterzuentwickeln. Ulrich Leiner sprach die Themen Wohnungsbau, Energiewende und Haar als Innovationsstandort an. Erwartungsgemäß verwies Andreas Bukowski auf Projekte, die er als Bürgermeister angestoßen hatte, Peter Schießl entwickelte das Narrativ, dass Haar unter CSU-Führung inakzeptable Kürzungen sozialer Leistungen hinnehmen musste.
Klimaschutz: Grün schiebt, schwarz bremst
In der Runde zu „Umwelt und Gesundheit“ betonte Ulrich Leiner, die Notwendigkeit, Haar an die Folgen des Klimawandels anzupassen. Wir alle und insbesondere vulnerable Gruppen, wie Ältere und Kinder, sind von den negativen Auswirkungen zu schützen. Er forderte Blüh- statt Schottergärten und Freiflächen zu erhalten statt zu versiegeln. Der CSU warf er vor, bei nötigen Projekten der Energiewende, zu bremsen und dem Bürgermeister in den Rücken zu fallen. Er machte dies an der mehrheitlichen Ablehnung der Geothermie fest, nur die Stimmen der Grünen verhinderten das Aus. Vorausschauend thematisierte er die baldige Planung einer zweiten Bohrung (Doublette) und ein Standortkonzept für Ladesäulen in Haar.
Bezahlbaren Wohnraum schaffen und behalten
In der zweiten Runde bestand Konsens, dass hohe Wohnungskosten auch in Haar die zentrale soziale Frage darstellen. Ulrich Leiner plädierte, im Gegensatz zu Andreas Bukowski, dafür, den Mut zu haben, neue Wohnungen zu einem Projekt des kommunalen Wohnungsbauunternehmens KWH zu machen. So kann die Stadt Vermögen aufbauen und nach ca. 30 Jahren Einnahmen für die Stadt generieren. Später in der Diskussion verwies Ulrich Leiner noch auf den großen Leerstand an Wohnflächen in Haar: Dieser sollte erfasst und reduziert werden.
Leitlinien für eine langfristige Stadtentwicklung
Ulrich Leiner begann die Runde mit dem Wortspiel „Andreas, mit dem Stelzenradweg wolltest du die Haarer Radler in die Luft jagen“ und plädierte für bessere Radwege am Boden, die sicher, schnell und bequem sein müssen. Danach nahm er Bezug auf die Stadtplanung unter Altbürgermeister Helmut Dworzak, der es geschafft hat, Haar einen eigenen Charakter zu geben und kein beliebiger Vorort von München zu werden. Um dies in Zukunft zu erhalten und weiterzuentwickeln, möchte er folgende Leitlinien für die Entwicklung Haars setzen: Eine Stadt der kurzen Wege, den Erhalt des Charakters der kleineren Ortsteile und die Idee der 3/30/300-Stadt: Man sieht 3 Bäume beim Blick aus dem Fenster, 30% der Stadtgebiets haben ein Baumkronendach und alle erreichen nach 300 Metern eine Grünfläche.
Haar ist finanziell stabil
Erwartungsgemäß kontrovers verlief die Runde zur wirtschaftlichen Lage Haars. Ulrich Leiner verwies zum wiederholten Mal auf die ca. 50 Millionen € Rücklagen und forderte Andreas Bukowski auf: „Hör auf Haar schlecht zu reden, wie wirkt das denn auf mögliche Investoren?“ Uneins war man sich auch bei Frage, ob der Haushalt ausgeglichen sei. Zumindest für das Haar 2025 konnte Leiner auf einen Überschuss von ca. 15 Millionen € verweisen, dem niemand widersprach. Zur Finckwiese machte er deutlich, dass die Grünen eine flexible Gesamtplanung mit einem guten Mix von Bebauung und Grünflächen anstreben. Und Söder solle endlich ausreichende Landesmittel für kommunale Pflichtaufgaben zur Verfügung stellen.
Für eine starke demokratische und vielfältige Zivilgesellschaft
In der Schlussrunde herrschte großer Konsens unter den demokratischen Teilnehmern, dass es zu dem aktiven und vielfältigen Zusammenleben in Haar keine „Alternative“ gibt. Ulrich Leiner betonte, dass die Volkshochschule einen Garanten für lebenslanges Lernen und eine wehrhafte Demokratie bildet. Jeder Euro für sie sei daher doppelt gut angelegt. Der Kandidat der AfD hatte sich bis zu diesem Zeitpunkt bereits durch Ahnungslosigkeit und fahriges Ablesen disqualifiziert. Leiner bezeichnete ihn unter großem Beifall als „Haarspalter“, dem es nicht gelingen wird, unsere Nachbarn erst auszugrenzen und dann auszuweisen.
Lebendige Demokratie bedeutet: Diskutiert und entscheidet
In der Schlussrunde warb natürlich jeder für sich selbst. Ulrich Leiner betonte, dass er alle bitte, das Gehörte daheim und im Freundeskreis zu diskutieren, seine Ideen auf den Prüfstand zu stellen. Er sei sicher, dass sie Haars Stadtentwicklung in die richtige Richtung voranbringen werden. Er freue sich darauf, diese als nächster Bürgermeister dann auch umsetzen zu können.







Verwandte Artikel
Neues aus dem Stadtrat – 27. Januar 2026
Die Stadtratssitzung am 27. Januar 2026 begann mit dem Bericht des Bürgermeisters. Andreas Bukowski informierte, dass eine 2,7 ha große Ausgleichsfläche für die Freiflächen-PV-Anlage notwendig gewordene Ausgleichsfläche (wegen der Feldlerchen) …
Weiterlesen »
Rede von Ulrich Leiner auf dem Grünen Neujahrsempfang 2026
Herzlich willkommen, liebe Haarerinnen und Haarer, hier bei unserem zweiten grünen Neujahrsempfang. Und ich sage gleich dazu herzlich willkommen im Armenhaus des Landkreises. Haars Finanzen: Stabil mit Potential für mehr…
Weiterlesen »
CSU rechnet Haar arm!
In der jüngsten CSU-Zeitung (irreführend „Haarer“ genannt), wurde ein Artikel über die Stadtfinanzen veröffentlicht. An sich eine wichtige Information, wenn nicht falsche und veraltete Zahlen verwendet worden wären –…
Weiterlesen »